Ein paar Dinge vorweg: Ich werde nicht gesponsort! Das heißt, wenn ich hier Markennamen nenne, dann geschieht das, weil ich diese Produkte benutzt habe. Ich bekomme dafür keine Vergütung. Wenn ich etwas für gut, oder schlecht bewerte, dann ist dies ausdrücklich meine Meinung und darf nicht verallgemeinert werden.
Jeder Pilgerführer empfehlt ein maximales Gewicht von 10 bis 11 Kg. Ich schätze, das wird wohl ein gutes Wohlfühl-Wandergewicht sein. Mit seinen sieben Sachen, Wechselkleidung, etwas Proviant und einem Liter Wasser wird man da hin kommen. Da ich aber das Extreme suche, komme ich an manchen Tagen auf an die 30Kg. Heftig? Oh ja, aber ich sage dann immer lächelnd: "Das ist mein Preis der Freiheit", wenn ich beim schultern meines Gepäcks erstaunte Blicke ernte.
Meine Prämisse von Anfang an war: "Ich laufe keinem Bett hinterher!" Also wenn man die Landessprache nicht spricht, nicht von Herberge zu Herberge flitzen will, seinen Schlafplatz nicht mit Schnarchern, Bettwanzen und anderen unliebsamen Lebewesen teilen will, dann muss man seine eigene Herberge mitschleppen. Dann braucht man natürlich auch eine Isomatte, oder Lutmatratze. Mit Frühstück sieht es dann ebenfalls schlecht aus, oder Abendessen. Bäckerein auf dem Land haben meist nur von 6 bis 10 offen, Restaurants von 11 bis 14 Uhr und dann wieder Abends, montags meist gar nicht. Deswegen habe ich auch noch Feldgeschirr dabei. Was man in Frankreich schlecht, bis gar nicht bekommt ist Tütenfutter. Abends sich Instandnudeln aufkochen ist also nicht. Es gibt jedoch eine begrenzte Zahl von Fertigessen in Konservendosen. Und da wären wir schon beim Nächsten, kochen ... Anfangs hatte ich auf einer alten Konservendose mit Brennpaste gekocht. Hat aber Nachteile, Brennpaste ist schlecht dosierbar und irgendwann bildet sich unten so ein Schleim aus unverbrannter Paste. Gut, der Nachschub an Dosen ist weniger das Problem, aber ständig das Fahrtenmesser zu malträtieren kommt schlecht auf Dauer. Deshalb habe ich auf Gaskocher umgestellt. Wer abends einen Tee schätzt und morgends seinen Kaffee braucht, braucht natürlich auch Wasser. Auch an die Katzenwäsche muss gedacht werden, oder den Abwasch. Deshalb habe ich neben 2 Litern Trink-Wasser auch noch 2x 1,5l Flaschen dabei, was dann schon allein 5kg sind.
Dafür bin ich aber bis zu 3 Tage autark unterwegs! Wasser bekommt man bei Anwohnern, auf Friedhöfen, oder (nur ungern) öffentlichen Toiletten. Aber auch in jedem Kiosk, Lebensmittelladen und Supermarkt ;-)
Mein Rucksack ist ein mordsdrum von Trekkingrucksack, ein TASHEV Kentaurus 80+15 mit dem ich soweit ganz zufrieden bin. Allerdings musste ich am Hüftgurt die rechte Gurtschnalle ein wenig modifizieren, da sich dort der Gurt immer gelockert hatte.
Was ich sehr zu schätzen gelernt habe, ist ein Trinksystem. Es ist viel einfacher und schneller, als jedesmal umständlich eine Flasche aus der Seitentasche zu ziehen, die man dann nicht mehr gescheid zurück bekommt und dann unter Umständen ständig herausfällt.
Mein Zelt ist ein Husky Flame in grün, ein absolut geniales Teil! Zwar mit 3kg das schwerste (und auch teuerste) Ausrüstungsstück, aber keine Tour ohne! Es ist robust, absolut sturmsicher und in wenigen Minuten aufgebaut. Es ist jetzt schon das vierte mal mit auf Pilgerreise gewesen. Ja, ich zelte wild, aber ich bevorzuge den Begriff "stealth camping" (unsichtbares Campieren) da ich keine anderen Spuren, als etwas niedergedrücktes Gras hinterlasse. Tretminen werden vergraben und alles was ich bis zum Schlafplatz geschleppt habe, kann ich auch bis zum nächsten Mülleimer schleppen!
Wer schleppt braucht auch eine zuverlässige Stütze. Ich habe über die Jahre einen einfachen Wanderstab zu schätzen gelernt. Mein erster Pilgerstab war ein einfacher Ast, an denen ich mit Sportpflaster einige Federn befestigt habe. In Folge dessen, wurde ich auch schon mal als Shamane bezeichnet. Seit dem habe ich einen Pilgerstab, der mich eindeutig als Jakobspilgerer erkennen lässt. Er besteht aus Hainbuche, ist 1,54m lang und somit auch in Zug und Bus gut händelbar. Am Kopf habe ich ein Kreuz heraus geschnitzt und eine kleine versteinerte Jakobsmuschel eingearbeitet. Eine kleine Kerbe gestattet es mir, ihn schnell in einen Ring an meinem Rucksack zu schieben, um beide Hände frei zu bekommen.
Jeder Schlepper braucht Schlappen. Gutes Schuhwerk sind das A und O bei einer Wanderung. Ein alter Pilgerwitz besagt: "Einen deutschen Pilger erkennt man daran, dass er in Bergstiefeln pilgert." Ja, meine erste Etappe habe auch ich in meinen LOWA Bergschuhen absolviert. Zu meiner Verteidigung kann ich aber anbringen, ich hatte erstens keine anderen Wanderschuhe und zweitens bin ich durch die schwäbische Alb, den Schwarzwald und die Vogesen gelaufen. Zur Zeit laufe ich in Meindl-Schuhen. Ursprünglich stellte Meindl orthopädische Schuhe her und diese Erfahrung spiegelt sich in ihren Wanderschuhen wider. Kleiner Tipp: Wer auf große Tour gehen will, sollte nie neue Schuhe tragen! Wanderschuhe sollten immer eingetragen werden, deshalb kaufe ich meine Wanderschuhe im Januar/Februar und trage sie, sooft es geht. Dieses Jahr werde ich mal Trekkingsandalen ausprobieren.
Statt einer Isomatte habe ich eine kleine Luftmatraze. Einem maltätiertem Rücken und Becken möchte ich nicht noch einen steinharten Boden zumuten. Eine Luftmatratze gleicht halt mehr Unebenheiten aus, als eine dünne Isomatte. Meinen Schlafsack habe ich, wie eingangs erwähnt, im Discounter erstanden. In kalten Juninächten ersetzt eine lange Unterhose und ein Fleecepullover jeden teuren Daunenschlafsack.
Ohne Kaffee kann ich nicht kämpfen, oder anders gesagt, wer mich vor meiner ersten Tasse Kaffee anspricht, riskiert seeeeeehr viel. Und was gibt es schöneres, als mit einer Tasse dampfendem Kaffee in der Morgensonne zu stehen und den Schöpfer für diesen wundervollen Tag zu preisen? Aber ein Kaffee will gekocht werden. Auf meiner ersten Tour gönnte ich mir noch den Luxus eines Espressokochers. Aber da das Ding Platz und Gewicht kostet, bin ich auf löslichen Kaffee im Portionsbeutel umgestiegen. Und zum Thema kochen, es geht nichts über einen Gaskocher. Allerdings sollte man beim Kocher Kauf darauf achten, dass man die passende Gaskartusche auch überall in Frankreich kaufen kann.
Hmm ... was vergessen? Keine Ahnung, aber falls doch, frag mich einfach!